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Ehrenbürger Pater Dr. Nikolaus Stehle



 

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Pater Dr. Nikolaus Stehle vor der Lourdes-Grotte in Rain.

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Das Geburtshaus von Pater Dr. Stehle in Niederschönenfeld,
ehemals Haus-Nr. 10, jetzt Abteistr. 3.

 

Ehemaliger Oblatenpater
* 22. Februar 1878 in Niederschönenfeld
   zum Priester geweiht am 06. April
   1901 in Rom
+ 22. April 1957 in Kronach

Die Donauwörther Zeitung berichtete am 28. Februar 2003 (beide Berichte verfasste Hugo Neher, Feldheim):
Wer war Pater Nikolaus Stehle?

Feldheims Ehrenbürger kritisierte öffentlich die Nazis - Mutiger Volksmissionar
Von unserem Mitarbeiter Hugo Neher


Niederschönenfeld-Feldheim. Wir sind zusammen gekommen zur Eucharistie. Und das heißt Danksagungsfeier. Wir haben heute allen Grund Dank zu sagen für einen großen Sohn Feldheims und auch Niederschönenfelds, für einen mutigen Mann der Kirche.“ Dies sagte der Regionaldekan, Monsignore Gottfried Fellner, beim Gedenkgottesdienst für Pater Dr. Nikolaus Stehle.

Wer war dieser Mann? „Ein treuer Priester und Ordensmann, ein wortgewaltiger Volksmissionar und liebenswürdiger Verwandter, ein guter Freund von Papst Pius XII. und ein glaubwürdiger Mitchrist“, so Fellner. Stehle wurde am 22. Februar 1878 in Niederschönenfeld geboren und ruht seit 1957 im heimatlichen Elterngrab in Feldheim. Fellner erlebte Stehle noch in der Volksschule, im Religionsunterricht, und wurde in Feldheim 1974 sein unmittelbarer Nachfolger als Primiziant.

„Dieser in ganz Deutschland bekannte Volksmissionar soll nicht nur in einem Straßennamen und im Archiv der Gemeinde weiterleben, sondern er soll auch als Vorbild wirken für Jung und Alt“, stellte der Feldheimer Pfarrgemeinderat fest und versucht dies nun in Taten umzusetzen. Die Gedenkfeier sollte ein Anfang sein. Um die Persönlichkeit Stehles deutlich zu machen, verlas Fellner den im Jahre 1957 zu seiner Beerdigung von einem Ordensbruder gesprochenen Nachruf. Demnach erhielt Pater Stehle seine Ausbildung in Holland, Belgien, Deutschland und zuletzt in Italien, wo er in Rom im Jahre 1901 Primiz feierte, ein Jahr später tat er dies in seiner Heimatgemeinde Feldheim.

Doktor der Philosophie

Er war Doktor der Philosophie und Theologie und als wortgewaltiger Volksmissionar deutschlandweit bekannt und beliebt, weil er es verstand, seinen Zuhörern menschliche Grundwerte und Glaubensinhalte in allge- mein verständlicher Art überzeugend zu ver- mitteln. „In seiner furchtlosen Geradlinigkeit, begleitet von einem goldenen Humor, nannte er die Dinge stets beim Namen ohne je zu ver- letzen“, zitierte Fellner.

Während des Ersten Weltkrieges war Stehle eineinhalb Jahre Garnisonspfarrer. Im Dritten Reich legte er sich mit den Nationalsozialisten an, da er als Christ vor deren Geisteshaltung und Führerkult frühzeitig warnte. So predigte er damals öffentlich und wiederholt: „Zur Erziehung der Jugend sind in erster Linie die Eltern bestimmt, dann kommt die Kirche und erst an dritter Stelle kommt der Staat, und ich sage es nocheinmal ohne Furcht, erst an drit- ter Stelle kommt der Staat. Arme, verführte deutsche Jugend! Um dem Volk Sand in die Augen zu streuen, spricht man von Gott, manchmal auch von Vorsehung, man meint aber sein eigenes Hirngespinst.“ Pater Stehle wurde wegen dieser, „den öffentlichen Frieden gefährdenden, gehässigen und hetzerischen Äußerungen, die geeignet waren, das Vertrauen des Volkes zur politischen Führung zu untergraben“ vom Staatsanwalt angeklagt, mit einem Predigtverbot belegt und von einem Sondergericht in Ulm zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Ihm erging es ähnlich wie Pater Rupert Mayer. Andere Theologen wie Dietrich Bonhoeffer, Alfred Delp, Max Josef Metzger mussten wegen ihrer regimekritischen Haltung gar mit ihrem Leben bezahlen. Nach Kriegsende wirkte Pater Stehle, obwohl körperlich geschwächt, unermüdlich in Kronach weiter bis zu seinem Tode im Alter von 79 Jahren.

Fellner bat, „dass der heutige Tag als Ansporn diene, wie Nikolaus Stehle mutig das Wort Gottes zu verkünden und zu leben“. In den Fürbitten wurde unter anderem gebetet: „Für alle Feldheimer und Niederschönenfelder, für die Angehörigen der Familie Stehle, für alle Verantwortlichen in der Gemeinde, dass sie die Erinnerung an ihren grossen Sohn als Ansporn für ein mutiges, glaubwürdiges Christsein verstehen lernen und sich auch wieder junge Menschen für diesen Dienst im Priester- und Ordensstand zur Verfügung stellen.“

 
Blick nach vorn statt Nostalgie:
Aus der Predigt von Fellner
Niederschönenfeld-Feldheim (hne). In einem vom Männerchor umrahmten Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Georg gedachte die Gemeinde Feldheim ihres Ehrenbürgers Pater Dr. Nikolaus Stehle. Anlass war dessen 125. Geburtstag.

Regionaldekan Monsignore Gottfried Fellner und Ortspfarrer Pater Paul Großmann zelebrierten den Gottesdienst. Fellner nutzte die Chance, die aktuelle Situation zu beleuchten. "Welche Rolle hat die Kirche, welche Zukunft haben wir als Christen in unserem Land? Auf Probleme wie Massenarbeitslosigkeit, drohende Überalterung und Rentenfrage weiß niemand so recht eine Antwort." Die Versuchung sei gross, wehmütig zurückzuschauen auf die Zeit als alles scheinbar besser war. Ein Prophet wisse, wie lähmend die Nostalgie sei. "Sie verstärkt die Resignation und verbaut die Sicht nach vorne. Nostalgie ist im Grunde eine Form von Unglaube."

Wende um 180 Grad

Dagegen setze der Prophet einen ganz anderen Umgang mit der Vergangenheit und der Zukunft. Er versuche die Blickrichtung des Volkes um 180 Grad zu wenden. Er rufe dazu auf, das was bisher war, loszulassen, auch das Bild von Gott nicht mehr ausschließlich an das Vergangene zu binden, sondern darauf zu vertrauen, dass es aus scheinbar ausweglosen Situationen Wege aus dem Elend in eine bessere Zukunft gibt.

"Genau davon war unser Pater Stehle während der Außeinandersetzung mit einem gottlosem Regime beseelt wenn er predigte: Wo ihr Gott dabei sein lasst, da kann es auf Dauer nicht daneben gehen. Wo ihr euch nicht auf die selbsternannten Führer verlasst, sondern auf das Wort Gottes und seinen Sohn Jesus Christus setzt, der gekommen ist, zu heilen, was verwundet ist, der Blinden das Augenlicht schenkt, der Lahme wieder gehen lässt, der die eigentliche Lähmung, die Schuld, vergibt, da braucht ihr keine Angst zu haben, selbst wenn man euch mundtot machen wird. Gott wird euch den Mund wieder öffnen. Menschen wie Pater Stehle lehren uns, von Zukünftigem zu träumen und Visionen zu entwickeln. Wer aufhört zu träumen, der hört auf zu kämpfen.

Pater Stehle hat nicht aufgehört mit seinem Gott eine neue Zukunft aufzubauen für unser Volk und Vaterland, das in Schutt und Asche lag. Darin verschenkte er seine Kräfte." Im Anschluss an den Gottesdienst trafen sich die Verwandten Pater Stehles im Gasthaus Schuhladen zum Mittagessen und regem Gedankenaustausch. Im Namen des Pfarrgemeinderates begrüßte Hugo Neher alle aus nah und fern und bedankte sich besonders bei Gottfried Fellner für die engagierten, in die Zukunft weisenden Worte während des Gottesdienstes, ganz im Sinne Pater Stehles. Bürgermeister Peter Mahl sicherte im seinem Grußwort bleibende Hochachtung des Ehrenbürgers seitens der Gemeinde zu. Auch dankte er dem Pfarrgemeinderat Feldheim dafür, im Laufe des Jahres im Pfarrheim Leben und Wirken Pater Stehles in einer Ausstellung zu dokumentieren.



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